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SANIERUNG

Als wir im November 2011 das verlassene Naturgrundstück inspizierten, waren wir trotz des nebligen Novemberwetters fasziniert von dem alten Baumbestand des Naturgrundstücks und der mystisch leer stehenden Ruine mit der schlichten Backsteinfassade und dem überwältigenden Gebälk. Vom Keller konnten wir bis zum Firstbalken hinaufschauen. Ungeahnt des vor uns stehenden Arbeitsaufwandes, beschlossen wir im Frühjahr 2012 das von Brennnesseln überwucherte naturbelassene unerschlossene Gelände zu kaufen. Wir  stellten  uns die Aufgabe, das Mühlengebäude mit seiner historischen Fassade wieder herzurichten.

Im Juli 2012 begannen wir mit der Erschließung, Strom 600m, Wasser 600m, Internet 600m, Abwasser 230m. Die Sanierung gestaltete sich sehr aufwändig. Wir lebten zunächst an den Wochenenden im Wohnwagen. 2013 erfolgte die Errichtung des „Gelben Hauses“ mit der Naturheilpraxis im Erdgeschoss und der vorrübergehenden Wohnung im Obergeschoss.

Bei der Sanierung der Neuen Mühle stellten wir uns der Herausforderung, das historische Mühlengebäude soweit wie möglich mit seinen ursprünglichen und natürlichen Baumaterialien wieder herzurichten und zu erneuern. Dazu arbeiteten wir liebevoll die noch vorhandenen Eichenbalken, Ziegelsteine und  Natursteine wieder auf und verwendeten ausschließlich Naturkalkputz und Lehmputz, um den Charakter und den historischen Charme des Gebäudes zu erhalten.


In mühevoller Kleinarbeit richteten wir die Backstein- und Natursteinfassaden wieder her und bauten die einzelnen Geschosse aus.

Im Rahmen einer Renaturierungsmaßnahme stellten wir in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Land Thüringen den historischen Bachlauf her. So konnte 2016, nach etwa  50 Jahren, wieder Wasser über das Gelände fließen.


Im April 2018 zogen wir begeistert und stolz in unser neues Heim ein. Stolz sind wir deshalb, weil es uns gelungen ist, die Neue Mühle und das Mühlenareal  mit drei  Generationen fast ausschließlich in Eigenleistung aufzubauen.
 

 

ERINNERUNGEN AN DIE MÜHLE

… aus dem Buch: Mühlen im Eichsfeld an Wipper und Ohne, Josef Reinhold, 2012, S.221 ff.

Die Neue Mühle, auch als Neumühle oder nach ihrem Standort in der Wüstung Neuendorf als Neuendorfer Mühle bezeichnet, lässt sich erstmals für die Zeit um 1550 nachweisen. Christoph vom Hagen, ein Anhänger Luthers und glühender Verfechter des Protestantismus im Eichsfeld, hatte sie gekauft. Um 1820 ging die Mühle aus dem Eigentum der Familie des Erich Carl vom Hagen in bürgerlichen Besitz über. 1930 erhielten Herrmann Rosenthal und seine Ehefrau das Wasserrecht für die Neue Mühle eingetragen.

um 1550
Christoph vom Hagen kaufte die Neue Mühle von Georg Ladermann für 94 Taler und 6 Acker schwarzburgisches Land, das jährlich mit 1 Scheffel Korn und 2 Groschen nach Keula zinste. (1)

1678/1689
Im Jahre 1678 lag die Mühle wüst, weil der Müller Andreas Berck aus ihr entlaufen war. (2) Für das Jahr 1689 ist als Müller Valentin Beyer belegt. Er besaß außer der Mühle noch 30 Morgen Land, beschäftigte einen Ackerjungen und zahlte als Braunschweiger Einwohner 6 Taler und 24 Groschen an Kopfsteuer. (3) Ohne direkt dem Valentin Beyer zugeordnet zu sein, erscheint in dem Einwohnerverzeichnis von Rüdigershagen aus dem Jahre 1689 noch der verheiratete Müllerknecht Georg Engel. (4)

1720 | 1728 | 1731
Meister Lorenz Walter wird als Erbpächter der Neuen Mühle erwähnt, dem 1728 Christoph Trappe aus Rüdigershagen folgte. (5) Im Jahre 1731 wurde die Mühle dem Vorderhof der vom Hagen in Deuna inkorporiert. (6) Folgt man Philipp Kniep, dann war allerdings 1740 noch oder schon wieder Lorenz Walter Besitzer der Neuen Mühle. (7)

1823
laut einer Zeitungsanzeigesollte die Neuendorfer Mühle mit einem oberschlächtigen Mahlgang nebst Wirtschaftsgebäuden, Gärten, 2 Acker Wiesen und 42 Acker Land aus dem Besitz der Witwe des in Konkurs gegangenen Majors Erich Carl vom Hagen (†1821), einer geborenen v. Bula, meistbietend verkauft werden. (8)

 

1893-1900
Im Kataster der gewerblichen Anlagen im Kreis Worbis ist Gustav Göhring aus Rüdigershagen als Besitzer der Neuen Mühle verzeichnet. (9) Über Göhring ließen sich keine weiteren Angaben ermitteln.

 

1930
Hermann Rosenthal und Ehefrau bekamen auf ihren Antrag von 1921 am 10. Oktober 1930 das Wasserrecht für die Mühle in das Wasserbuch für die Ohne eingetragen. Zu diesem Zeitpunkt verfügte die Mühle über ein oberschlächtiges Wasserrad mit einem Durchmesser von 5,60 Meter und einer Schaufelbreite von 0,60 Meter. (10) Das Wasserrad lief in einer Radkammer und erbrachte bei günstigem Wasser eine Leistung von 3 PS. (11)

1936
Obwohl Rosenthal 1930 nach einem Brand den Mahlbetrieb zeitweilig aufgegeben hatte, (12) wurde in der Mühle wieder gemahlen. Für die Mitte der 1930er Jahre konnte Paul Blüschke als Besitzer oder Pächter der Neuen Mühle ausgemacht werden. (13)

 

1941
Adam Rosenthal aus Niederorschel, mit Hermann Rosenthal nicht verwandt, ist im Adressbuch für den Kreis Worbis als Besitzer der Neuen Mühle eingetragen. (14)

 

um 1960
Adam Rosenthal war als letzte Müller in der Neuen Mühle tätig. Obwohl dieser erst 1948 das Mühlengebäude hatte neu errichten lassen, kam es unter ihm 1960 zur Stilllegung der Neuen Mühle. (15) Seit den 1990er Jahren steht das einstige Mühlengehöft leer und wird gegenwärtig, nachdem einige Instandsetzungsarbeiten am Wohnhaus und am einstigen Mühlengebäude durchgeführt worden sind, wieder zum Verkauf angeboten.

„… und dann hat uns die Mühle gefunden …“ (Thomas und Bernadett)

 

 

Anmerkungen

  1. Frantz: Rüdigershagen

  2. Mundhenke, Herbert: Die Kopfsteuerbeschreibung der Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen von 1689, Teil 11, Hildesheim 1969, S. 334.

  3. Ebenda

  4. Ebenda: S. 335.

  5. Gorsler, Otto: Die Mühle um und in Niederorschel, in: Eichsfelder Heimatzeitschrift, 53 (2009), S 134.

  6. Ebenda

  7. Knieb, Philipp: Eichsfelder Gemeindechroniken. Niederorschel-Worbis, Heiligenstadt 2004, S. 53.

  8. Worbiser Kreis-Wochenblatt, Nr. 4 v. 27.1. 1823.

  9. ThStAGo: Kreisausschuss Worbis, Nr. 1402, Bl. 22.

  10. Ebenda: Regierung Erfurt, Nr. 27836, Bl. 55r.

  11. Ebenda: Regierung Erfurt, Nr. 27680, Bl. 144v.

  12. Gorsler: Niederorschel

  13. Handbuch und Mitglieder-Verzeichnis der Wirtschaftlichen Vereinigung der Roggen- und Weizenmühlen. Reichsadressbuch der deutschen Roggen- und Weizenmühlen, München 1936, S. 191.

  14. Einwohnerbuch und Behördenverzeichnis für den Kreis Worbis. Ausgabe 1941/42, Mühlhausen 1941, S. 185.

  15. Große, Volker; Herzberg, Klaus: Mühlen im Obereichsfeld. Ein Kompendium, Heiligenstadt 2008, S. 292.